Leben und Tod

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Ich gehe selten auf größere Veranstaltungen, eigentlich nie. Vor allem gehe ich nirgendwohin, wo ich vielleicht mit einbezogen werde, Orte, an denen ich etwas sagen kann, könnte. Denn meistens bin ich mir ziemlich sicher, dass ich nichts zu sagen habe, zumindest nichts Kluges, nichts, vom dem ein anderer profitiert, sondern nur Blödsinn, der echt keinem etwas bringt. Ich habe mir nie ein Dazwischen vorgestellt. Dieser Spalt zwischen „Ich weiß, es geht um dieses und jenes, echt, ich weiß das.“ Und „Hihi, vielleicht doch nicht so ganz.“ Aber es gibt diese Lücke und die habe ich genutzt. „Leben und Tod“ weiterlesen

Ohne Anfang

Es fängt damit an, dass ich nicht mehr  „Papa“ sage.

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Und es geht weiter damit, dass mich jemand fragt, wie ich diese Jeans finde, ob die zum Oberteil passt und so weiter. Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung, wie ich diese verdammte Hose finde oder auch nur die Situation. Keine Ahnung, wie ich überhaupt etwas finde. Finden, ja ja. Beschissen.
„Ich finde alles beschissen.“
„Ist echt alles scheiße“, findet auch mein Gegenüber.
„Ach ja“, frage ich.
„Uni scheiße, Männer scheiße und das Bier, ey, das Bier schmeckt so richtig scheiße, abgestanden, alt. Der Uwe eben.“ „Ohne Anfang“ weiterlesen

Untergehen, jetzt

Wie man eine Ausnahmesituation überlebt? Eigentlich gar nicht.

Eigentlich ist da immer ein bisschen zu viel. Ein Glas Wein ist zu viel. Eine Flasche Bier ist zu viel. Das Stroboskoplicht macht den Kopf matschig. Alles, was man nur mit den Augen sieht, ist im Innern viel zu viel. Du, ein marodes Fass, eines, das gerade noch so gut zusammenhält, dass nach unten nichts weichen kann, sodass es überläuft, wenn man da noch was rein kippt. Ein Fass, der Inhalt hochexplosiv. Ein Mensch, aus dem Rahmen gefallen, nicht wach, nicht müde, nicht mehr ganz oke, aber heile genug, um zu leben, um mit den anderen mitzugehen. Heile genug, um Bier zu trinken, aber zu kaputt, um zu bedenken, dass das gerade nicht so ganz gut ist, dass da doch eigentlich nichts mehr reingeht, dass alles, was du reinschüttest, den Kopf noch mehr zu Brei macht, weil da kein Platz mehr ist in diesem kleinen Körper, der genug schleppt und hält, der Angst hat und bangt, der weder ein noch aus weiß, der nur ein- und ausatmen kann, weil sich jemand etwas dabei gedacht hat, dass der Körper das irgendwann automatisch macht.

 

Eigentlich ist da nur ein Rausch. Ein ewiger Rausch, da ist ein nicht-mehr-herauskommen aus diesem Rausch, der Tage und Nächte anhält. Betäubte Sinne, betäubte Gedanken. Zu Hause liegt das Sterben, im Kopf ist der Tod, der scheinbar Tote, jedenfalls der, der bald stirbt. Im Körper ein immerzu betrunkenes Herz, nie nüchtern, weil die Gedanken wie Schnaps wirken, 50% mindestens, vielleicht noch mehr, vielleicht ist das schon eine Alkoholvergiftung, chronisch, denn im Magen brennt es, und es zieht, die Übelkeit bleibt immer da, geht nicht mehr weg, versteckt sich im Bauch, so, dass sie niemand sieht und keiner sagt: Hör auf, trink das nächste Bier bitte nicht. Geh nach Hause, leg dich hin, nüchtere aus. Werd einmal wieder nüchtern.

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