Nach Niederlagen wünschen wir uns, wir könnten unsere Geschichte ganz neu schreiben. Den einen Moment einfach fallen lassen und den letzten Kuss ausspucken. Wir wünschen uns unsere alte Leichtigkeit zurück und einen entspannten Blick in den Sternenhimmel, ohne zu glauben, dort oben sitzt jemand, dort guckt einer, komm winken wir mal, vielleicht winkt ja einer zurück. Wir wünschen uns keine Geschenke mehr, zumindest keine, die man käuflich erwerben könnte, sondern eine Geste, ein Gefühl und ein großes Stück Hoffnung und wir wünschen uns am Ende dieser Straße, ohne Laternen und ohne Lichter, eine kleine Öffnung, aus die wir schleichen können. A. sagt, dass das doch irgendwie skurril ist, weil wir doch einen großen Sommer hatten und dass ja jetzt nicht nur jemand fehlt, sondern dass es so aussieht, als sei dieser ganze lange Augenblick einfach verloren gegangen. Das liegt nicht am Winterblues und auch nicht daran, dass jemand auf einmal nicht mehr da ist, sondern weil wir binnen weniger Tage einfach das Lockersein verlernt haben, weil uns die Naivität fehlt und der Irrsinn zum Ende des Sommers in eine Bierflasche gefallen sein muss und sich die Ernsthaftigkeit jetzt ganz schön breit macht. Sie liegt abends einfach unter dem Kissen und sie steht morgens am Bett und zieht uns an den Haaren. Aber nichts kitzelt mehr nur unter den Fußsohlen und Wunder schon mal sowieso nicht. Wir trinken nun den Wein aus den warmen Monaten, um beim Entkorken das Ploppen zu hören, in der Hoffnung, dass dann aus der Flasche alles herauskriecht – eine Replik des Sommers vielleicht. Wir hoffen so ein bisschen auf all die tobenden Erinnerungen, die uns lachend in den Arm nehmen. Und jetzt trinken wir manchmal, damit uns überhaupt mal wieder etwas umarmt, auch wenn es nun die Vergänglichkeit ist. Die Vergänglichkeit, die zwischen all den Geistern von früher, nun am verlässlichsten ist und am Ende der Straße auf uns wartet.

*Und damit wünsche ich euch allen einen guten Rutsch und ein spannendes, aufregendes und hoffentlich ruhiges Jahr.

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3 Kommentare zu „Am Ender der Straße

  1. Wenn erst die Unschuld des Lebens gerissen ist, wirkt der Rest nur noch fade und ausgelutscht. Ein Aufwachen ist nicht mehr. „Am Ende der Straße“ blickt direkt in diese Gesicht entleerter farbloser Perspektiven. Aber Hoffnung ist etwas zähes, das sich nicht einfach wegdrücken lässt. Und wenn es die „kleine Öffnung ist, aus die wir schleichen können.“ Da würde ich anfangen.

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