Wenn ich irgendwo die Worte Tod, Sterben oder Trauer lese, dann kann ich nicht anders und klicke drauf. Wenn ich weiß, dass ein Film den Tod thematisiert, dann schau ich ihn mir an. So wie andere bemüht sind, alle Filme zu gucken, die eine Liebesgeschichte beinhalten, versuche ich die meisten Filme zu schauen, die eine Geschichte über das Sterben, über den Tod und über Abschied erzählen. Das klingt morbide. Ist es aber nicht. Oft lese ich diese Artikel mehrmals, schaue Filme doppelt und dreifach, gucke mir die Bilder von hinten und von vorne an, und oft freue ich mich darüber, irgendeinen kleinen Hinweis darin gefunden zu haben. Manchmal lese ich aber auch andere Texte. So wie diesen hier von Kathrin Weßling: Scheiß Frühling

Irgendwann fang´ ich an, mir Gedanken über die Zukunft zu machen, aber erstmal rückwärts gewandt, weil man ja so damit anfängt, erstmal gucken nach den Falten, dann die Monate bis zum nächsten Geburtstag zählen und irgendwas mit Angst vor Krebs. Vielleicht schütte ich den Tee dann weg, so ein langweiliges Getränk, sowas will ich nicht und dann ist da diese Pointe, ein schöner Gedanke, den man sich gut erzählen kann: Ist doch alles ok, ist doch super, wie du bist, schriebe sich auch gut: Irgendwann fang ich an, mich selber zu mögen, schöner letzter Satz, Kussi, K

 

Kürzlich las ich ein Interview auf Krautreporter mit der alternativen Bestatterin Angela Fournes. Ich kann dieses Interview nur wärmstens empfehlen. Eine schöne Sicht auf den Tod. Der Tod kann auch sehr schön sein.

Genau das ist der Trugschluss: Dass Trauer einfacher zu verarbeiten wäre, wenn man sie wegschiebt. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: Man muss sich als Hinterbliebener erst einmal begreifbar machen, dass ein geliebter Mensch gestorben ist. Indem man den Toten selbst wäscht, anzieht, den Sarg schmückt und anschließend in die Erde lässt, hilft man der Seele zu verstehen, was passiert ist. Dadurch wird die Trauerarbeit erfüllter. Für den Verstorbenen ist ein solcher Umgang natürlich auch schöner: Ihn oder sie auf dem letzten Weg zu begleiten und die Bestattung selbst zu gestalten sind letzte Liebesdienste, die die Hinterbliebenen für ihren Toten leisten können.

 

Auch bei Dana Buchzik fand ich in der letzten Zeit Worte über den Tod. Johannes-Passion|

Als die Sopranistin ihre Stimme nach oben, dem Kuppeldach des Berliner Doms entgegen schwingen lässt, als sie dem Publikum ihre Noten wie eine Opfergabe entgegenhält, die Hände gewölbt, der Rücken gerade vor Demut und Stolz, frage ich mich, ob man wirklich an etwas Größeres glauben muss, um nicht am Leben verrückt zu werden. Ob wir wirklich so tun müssen, als gäbe es mehr als ein Achselzucken dort oben, als hätte alles, was geschieht, mit irgendwelchen Regeln zu tun – als lebten und stürben wir per Gesetz.

 

Zum wiederholten Male sah ich an Ostermontag den schon etwas älteren Film Meine Schwestern, in dem es um die Herzkranke Linda geht, die ganz zu Anfang des Filmes sagt: „Mein Tod kam für mich nicht überraschend, ich habe ihn erwartet.“ Sie hatte eine Lebenserwartung von drei Monaten und wurde dreißig Jahre. Ich finde diesen Film auf ganz vielen Ebenen sehr berührend und gucke ihn immer und immer wieder. Er ist in seiner Schlichtheit so reich an Gefühl und regt jedes Mal wieder zum Nachdenken an. Falls ihr ihn noch nicht kennt, schaut ihn euch an.

 

 

Durch Ze.tt stieß ich auf noch ein Interview, das ich für sehr empfehlenswert halte. Die Bestatterin Johanna Wilke, erzählt in der Reihe Meine 40-Stunden-Woche über ihre Arbeit und ihren Umgang mit dem Tod und den Toten. Meine 40-Stunden-Woche: Interview mit der Bestatterin Johanna Wilke.

Der Körper ist wie ein Kleid, das man bekommt, wenn man auf die Erde kommt, das man aber eben auch wieder auszieht, wenn man stirbt. Ich versorge einen Körper und gebe dem Geist Zeit, sich zu lösen – er hat ja auch lange gebraucht, um sich im Körper zu entwickeln.

 

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2 Kommentare zu „Empfehlungen II

  1. Ich finde dies auch nicht morbide, den Tod und das Sterben sollten wir nicht ausgrenzen, wie sollten wir zu einem erfüllten Leben kommen, ohne den Tod zu schauen? Ich habe noch ein Buchempfehlung für dich: Scott Eberle: Das Lied der schwarzen Göttin-

    Den Film habe ich mir notiert, den schaue ich mir gerne an. Danke und liebe Grüsse
    Ulli

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  2. Liebe Sarah, wie andere wegklicken, wenn es um den Tod geht, klicke ich hin. Wie du. Danke für dieses Blog, das ich gerne immer wieder still besuche. Und Danke für die Links hier in diesem Artikel.

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