Wir sind noch hier ist gerade mal einen Monat alt und dennoch erhalte ich ganz ganz viele Rückmeldungen. Offene, ehrliche Worte. Bestätigung wie auch Kritik. Anfangs war ich mir sehr unsicher, ob es die richtige Entscheidung ist, wirklich so offen über den Tod und alles, was damit zusammenhängt, zu schreiben. Etwas anzufangen, was nie ein richtiges Ende haben wird, denn ich könnte, wenn ich wollte, in 900 Ausführungen vom Tod erzählen. Ich könnte noch so viel schreiben. Und das werde ich, denn es war die richtige Entscheidung, da bin ich mir inzwischen sicher. Ich möchte dem Tod und auch Krankheiten einen Raum geben. Deswegen möchte ich euch auf vier sehr lesenswerte Texte aufmerksam machen.

 

Ilka Maier-Piepgras hat im September im Zeitmagazin einen berührenden und schönen Text über die Sterbebegleitung geschrieben: Von einer, die auszog, das Sterben zu lernen

Nach Holgers jähem Tod wird mir etwas bewusst: Ich brauche Klarheit über das Sterben. Sonst werde ich das Erlebnis nicht los. Ein zweites Mal will ich dem Tod nicht unvorbereitet begegnen. Aber wie kann man Sterben lernen, ohne selbst betroffen zu sein? Gewöhnlich nähere ich mich schwierigen Themen, indem ich die Literatur befrage. Auch nach Holgers Tod häufe ich Bücher und Aufsätze an: Besser leben mit dem Tod oder Sterben für Anfänger . Und doch: Ich finde nicht hinein. Die Bücher langweilen mich, nichts davon hat mit mir zu tun, der Tod bleibt Buchstabengewimmel, bedrohlich, aber abstrakt.

 

Eine Reportage von Juliane Schiemenz. Dort erzählt sie vom Alzheimer ihres Vaters. Eine Geschichte, die mich sehr mitgenommen hat und die ich ausnahmslos jedem ans Herz legen möchte. Alzheimer on the Road

Wir hatten das alles anders geplant. Mutti wollte dich zu Hause pflegen. «Nach vierzig Jahren Ehe lasse ich ihn nicht im Stich», hatte sie erklärt, als vor drei Jahren die Diagnose Alzheimer kam. Da warst du 64. Der Arzt sagte: Das kann dauern. Zehn Jahre, vielleicht fünfzehn, er ist noch jung. Alle rechneten mit deinem langsamen Verfall. Wie man das so kennt aus dem Fernsehen: Irgendwann sitzt der Demente sabbernd im Rollstuhl, das Gehirn nur noch ein bunter Haufen Knete.

 

Die Verlegerin Christiane Frohmann ist vielen durch ihr Projekt 1000 Tode bekannt. Auf dem Totenhemd-Blog hat sie vor ein paar Monaten selbst einen Text zum Thema Tod geschrieben: Warum habe ich als Kind meinen Eltern nichts von meiner Todesangst verraten?

Ich hatte Angst vor dem Tod, aber ich war auch sehr fasziniert, ästhetisch gab es nichts Interessanteres für mich. In jeder auf Reisen besuchten Kirche führte mich mein erster Weg in die Krypta, und sehenswert waren in meinen Augen allein Kirchen mit juwelengeschmückten Heiligenskeletten oder vergleichbar glamourösen Reliquien.

 

Auf diesen Text von Berlinmittemom hat mich eine liebe Leserin aufmerksam gemacht. An dieser Stelle noch einmal danke dafür. Berührend und so unglaublich wahr. Liebe mama… ::: über die Unbescheidenheit der Sehnsucht

Natürlich weiß ich das alles noch. Jeder Moment mit dir ist in mir eingebrannt und ja, da bist du noch – in mir und in all den Bildern aus den vielen Jahren mit dir. Aber hier, bei mir, da bist du nicht. Und alle Erinnerung, so schön sie ist, kann das nicht ersetzen. Die Lücke füllen, die du hinterlassen hast. Nichts und niemand kann das.

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2 Kommentare zu „Empfehlungen

  1. Danke für Deien Empfehlungen. Den ein oder anderen Text kannte ich schon, bei Christiane Frohmanns 1000 Tode war ich mit einem Text dabei.
    Das Thema Tod fasziniert mich auf eine unvergleichliche Weise, deswegen lese ich hier mit großem Interesse. Du schreibst darüber auf eien Art, die mich angeht und mir ans Herz greift. Großes Kompliment!

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Sarah, deine Texte gehen immer unter die Haut, weil du aus ihr herausschreibst, wenigstens lese ich dich so. Ich werde alle 9oo Texte lesen 😉
    okay, manchmal bin ich nicht da … lach
    danke für deine Liste, bei 1000 Tode war ich auch dabei und gerade eben in einem Projekt von Tristan Rosenkranz, hier geht es allerdings um den Trost, den man einem Kind schenken kann, wenn ein Elternteil oder beide sterben, Trost ist ein grosses Wort. Ich fand lange keinen!
    Ein wunderbares Buch ist auch von Scott Eberle: Das Lied der dunklen Göttin – Sterben können, heisst leben lernen- ich finde es auch sehr echt.
    gosh, wieder so viel!

    liebe Grüsse
    Ulli

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